Braun oder blass? Wie zwei Schönheitsideale meinen Blick auf meine Haut geprägt haben.
Der Sommer nähert sich dem Ende, und so wie jedes Jahr habe ich über die heißen Monate einiges an Farbe bekommen. So weit, dass mich jeder in meiner Umgebung drauf anspricht. Gebräunte Schultern, Farbe im Gesicht, helle Abdrücke vom Bikini, ein paar Sommersprossen auf der Nase … so aussehen, als wäre man frisch aus dem Urlaub.
Dabei habe ich nie bewusst versucht, braun zu werden. Als Asiatin bin ich mit dem Schönheitsideal aufgewachsen, in dem möglichst helle Haut als schön und gepflegt gilt. Helle Haut suggeriert, dass man nicht als Bauer draußen auf dem Feld schuften muss, hieß es. Ein veraltetes Klassensystem, in dem der Bauer die unterste Schicht bildet. Sonne wurde also eher vermieden als gesucht. Sonnenhüte, lange Ärmel, Sonnenschirme und möglichst viel Sonnenschutz bis hin zu Bleaching-Cremes gehören dazu.
Das Gute ist, dass ich die andere Seite der Münze auch in mir habe. Seitdem ich 5 Jahre alt bin, lebe ich in Deutschland. Braun sein steht hier für Reichtum, den Luxus zu haben, in den Urlaub zu fahren und faul in der Sonne liegen zu dürfen.
Warum Bräune für mich heute kein Beauty-Ziel mehr ist
Was ich persönlich schöner finde? Nun ja, in den Sommermonaten verbringe ich viel Zeit draußen. Dadurch, dass ich mich auf einen Marathon vorbereite, laufe ich fast jeden Tag in der Sonne. Ich fahre Fahrrad, gehe schwimmen im Freibad, wenn es in meiner nicht klimatisierten Dachgeschosswohnung nicht mehr aushaltbar ist, oder manchmal gehe ich einfach spazieren. Nichts davon tue ich mit dem Ziel, braun zu werden. Bräune ist nur ein Beiprodukt all dieser Aktivitäten, kein Beauty-Ziel, das ich verfolge.
Vielleicht finde ich deswegen die Bräune, die ich jetzt habe, so schön. Sie ist ein Beweis aller schönen Momente, die ich draußen verbracht habe. Ein Zeichen meiner harten Arbeit, um meinen ersten Marathon zu schaffen. Mein Fokus liegt heute eher bei meiner Gesundheit, was nicht im Auge des Betrachters liegt, sondern eine faktische Einheit, die es zu verbessern gilt. Daher ist auch zu viel Sonne ohne Schutz nicht gut.
Sonnengeküsst ohne Sonnenbrand: So entsteht mein Sommer-Look
Wenn ich einen besonders sonnengeküssten Look möchte, dann schummele ich lieber mit ein wenig Make-up. Eine getönte Sonnencreme mit SPF 50 für einen ebenmäßigen Teint, aber auch Schutz. Dazu ein Blush-Stick auf den Wangen, dem Nasenrücken und ein wenig auf den Schläfen. Eben da, wo die Sonne theoretisch als erstes Farbe hinterlassen würde. Wenn mir danach ist, dann verdunkle ich auch meine Sommersprossen auf der Nase. Manchmal mit einem Eyeliner, manchmal mit einem Ansatzspray. Mit Fingern eingeklopft sorgt es für einen natürlicheren Look. So, als hätte man einen Nachmittag in der Sonne gesessen, nur eben ohne Sonnenbrand.
Warum Sonnenschutz für mich nichts mit heller Haut zu tun hat
Und wenn ich tatsächlich viel Zeit draußen verbringe, gehört für mich danach Aloe-Vera-Gel ins Badezimmer. Es kühlt und beruhigt die Haut nach einem langen Tag im Freien. Aber auch Aloe Vera ist natürlich kein Radiergummi für Sonnenschäden. Der wichtigste Schritt passiert vorher: Sonnenschutz. Selbst an wolkigen Tagen trage ich SPF50 auf. Viel ist Genetik, aber Asiatinnen schwören drauf, dass das ihr Geheimnis ist, so lange jung auszusehen. Sonnencreme ist deshalb für mich kein Mittel, um meine natürliche Hautfarbe zu kontrollieren. Sie ist Schutz. Vor vorzeitiger Hautalterung, vor Sonnenschäden und vor allem vor Hautkrebs.
Was auch viel vernachlässigt wird, sind die Lippen. Eine Lippenpflege mit LSF ist heutzutage einfach zu bekommen. Und für alle, die so wie ich gerne kurze Haare haben: Vergesst nicht, eure Ohren auch mit einzucremen!
Je länger ich mich mit Beauty beschäftige, desto weniger möchte ich Gesundheit mit einem bestimmten Aussehen verbinden. Braun ist nicht automatisch gesund. Hell ist nicht automatisch gesund. Keine Hautfarbe ist ein Gesundheitszustand.
Eine sonnengeküsste Haut kann wunderschön aussehen. Aber ich möchte nicht meine Haut verbrennen, um so auszusehen. Mein Sommer-Make-up darf aber gerne so aussehen, als wäre ich gerade aus der Sonne gekommen. Meine Haut selbst muss dafür aber nicht leiden.
Sonnengeküsst? Gerne. Sonnenverbrannt? Nicht für Beauty.
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