Neu im Kino 2026: Die besten Neustarts des Jahres
An dieser Stelle teilen wir Woche um Woche die neuen Filme, für die sich der Kinobesuch in diesem Jahr lohnt – ausgewählt von der VOGUE-Redaktion.
Neu im Kino im August 2026

… ist für Unverheiratete in New York eine unumstößliche Regel. Denn in jener nahen Zukunft, in der diese Romantikkomödie spielt, ist Sex außerhalb der Ehe streng verboten. Dieses Verbot wird mithilfe implantierter Biosensoren rigoros überwacht – bis auf eine einzige Nacht im Jahr. Der One-Night-per-Year-Stand ist deshalb Programm bei Singles. In dieser Nacht reicht zur Not auch die gemeinsame Wartezeit in der Schlange vor dem Klo als Vorspiel für den Sex mit einem Fremden. Aber Romantikerin Allie (Monica Barbaro) träumt nicht von Sex, sondern unbeirrt von der großen Liebe. Könnte sie die vielleicht mit Owen (Callum Turner) erleben? Immerhin schmeckt die Pizza, die ihre Zufallsbekanntschaft Owen backt, mindestens so gut wie Sex, findet Allie. Aber wie bringt man sexfrei die Nacht herum mit jemandem, mit dem man lieber das ganze Leben verbringen möchte? Fluffiges Sommerkino von Will Gluck ("Wo die Lüge hinfällt") für alle hoffnungslosen Romantiker.
Ein paar Drinks vor dem Kinobesuch sind zu empfehlen, um dieses irrwitzige Werk zu genießen. Auf Super 8 gedreht und mit Dialogen aus dem Off setzt Brezel Göring, eine Hälfte des Synthie-Pop-Duos Stereo Total, seiner verstorbenen Partnerin Françoise Cactus ein Denkmal: Lilith Stangenberg will als erfolgreiche Schauspielerin ihre frühere Experimentalfilmgruppe "Les enfants terrible“ wiederbeleben. Gedreht werden soll ein Underground-Epos über die männermordende Serienkillerin Dementia, die unentwegt Typen ersticht, erwürgt, erschlägt – immer in Lackleder.

PlayStation, X-box, Switch – alles nicht Ihr Ding? Unseres auch nicht! Aber dass dieser japanische Thriller aus dem gleichnamigen Kult-Escape-Game erwachsen ist, tut der Spannung keinerlei Abbruch. Stattdessen pusht das minimalistische, klaustrophobische Setting den Suspense: In einer U-Bahn-Station in Tokio steigt ein namensloser Mann (Kazunari Ninomiya) aus dem vollgepackten Zug, als ihm seine Ex-Freundin am Telefon mitteilt, dass sie schwanger ist. Der geschockte werdende Vater möchte durch einen weiß gefliesten Fußgängerdurchgang zum Ausgang Nr. 8 des Bahnhofs. Er kommt seinem Ziel aber irgendwie nicht näher, bis ihm ein Plakat auffällt, das ihm erklärt, er dürfe nichts Ungewöhnliches übersehen. Bei einer Anomalie soll er sofort umkehren, anderenfalls weitergehen. So käme er zum Ausgang 8. Sie ahnen es: Schon ein einziges Versehen setzt ihn immer wieder “Zurück auf Anfang”. Der Psychothriller des Japaners Genki Kawamura gehörte zu den Kritikerlieblingen in Cannes 2025.
Am Anfang waren die Henne, das Ei und ein schwarzes Küken, das anders aussieht als die anderen. Als Junghenne wird es auf dem Weg von der griechischen Geflügelfarm zum Schlachthof aussortiert und soll im Kochtopf des LKW-Fahrers landen. Aber dem cleveren Tier gelingt die Flucht, es entkommt einem Fuchs und landet schließlich im Hühnerhof einer heruntergekommenen Gaststätte in der Provinz. Dort findet das Huhn zwar seinen Traumhahn, muss aber ständig seine Nachkommenschaft vor dem Zugriff des gierigen Kochs beschützen. Der Witz an der Sache: Regisseur und Autor György Pálfi erzählt die Story seiner wunderbar schrägen Sommerkomödie aus der Perspektive des Huhns. Und so ist es nur konsequent, dass auch im Abspann sämtliche Darstellerinnen des Huhns die Besetzungsliste anführen: Das abenteuerlustige Federvieh wird verkörpert von den Hennen Eszti, Szandi, Feri, Enci, Eti, Eniko, Nora und Anett, jede eine Spezialistin im Picken, Glucken, Scharren, Flattern und Rennen. Oscarwürdig!
Es lebe das Klischee! Tischdecken und Kleider von Italienerinnen sind rot-weiß kariert und Bruschetta ist ein kompliziertes Gericht der italienischen Gastronomie. So what?! In dieses Sommermärchen über eine New Yorker Köchin (Meerjungfrau “Arielle” aka Halle Bailey), die vom Pech in der Liebe und im Job in der Toskana ausspannen will und sich dort – wie könnte es anders sein – unsterblich verliebt, geht man nicht der harten Fakten wegen. Die luftige Romanze wartet zwar mit einigen Klischees auf, aber eben auch mit dem smexy “Bridgerton”-Herzog Regé-Jean Page – und der darf sich als italo-britischer Winzer Michael in die Köchin Anna (Bailey) verlieben. Anna hat aber dummerweise ihrer zukünftigen Schwiegermutter glaubhaft gemacht, dass sie bereits mit Michaels Cousin Matteo (Lorenzo de Moor) verlobt sei. Weil Anna und Michael dieses und andere kleine Geheimnisse erst noch voreinander beichten müssen, wird in dieser luftigen Komödie dann noch ein wenig rumgeeiert bis zum Happy End unter italienischer Sonne; mit vielen schönen Bildern, Bruschetta, Amore und guter Laune. O sole mio!
Neu im Kino im Juli 2026
An geradlinigen Handlungssträngen war Pedro Almodóvar noch nie interessiert. Erst recht nicht in diesem Alterswerk, das seine Premiere auf dem diesjährigen Filmfestival von Cannes feierte. In bewährter Mixtur aus Drama und Groteske mäandern die Geschichten um die psychisch angeschlagene Werbeleiterin Elsa (Bárbara Lennie), die nach einer Panikattacke mit ihrer Freundin Patricia (Vicky Luengo) und deren Tochter nach Lanzarote reist, und den Regisseur und Autor Raúl (Leonardo Sbaraglia), der unter einer Schreibblockade bei seinem neuesten Drehbuch leidet, nebeneinander her. Am Ende, auch das typisch für den spanischen Regiestar, finden die Stories dann doch zueinander und zeigen, wie Leben und Fiktion untrennbar miteinander verbunden sind – manchmal auf sehr schmerzhafte Art.
Wo Christopher Nolan draufsteht, steckt epische Wucht drin. Das galt für den Traumdiebstahl-Krimi “Inception” des britischen Regisseurs, ebenso wie zuletzt für das Biopic “Oppenheimer”. Und wenn Christopher Nolan die Heldenreise von Homers Odysseus verfilmt, dann gilt das erst recht. Odysseus kämpft sich in diesem echten, antiken Epos gegen alle Widrigkeiten und Göttergemeinheiten zurück zu seiner stolzen Gattin Penelope, die sich der gierigen Avancen anderer Männer erwehren muss. Die Besetzungsliste stammt aus dem Olymp Hollywoods: Matt Damon schlägt sich als Titelheld durch zu seiner Liebsten Anne Hathaway. Diese muss sich derweil die Freier vom Hals halten, weil es dem Sprössling Telemachos alias Tom Holland noch an
Durchsetzungskraft gebricht. Robert Pattinson verleiht Antinoos, dem aufdringlichsten unter ihnen, wahrhaft widerliche Züge. Zendaya und Charlize Theron als Athene und Kalypso dürfen nett sein zum Helden. Aber während die Göttin Athene ihren Seelenverwandten Odysseus vor dem rachsüchtigen Meeresgott Poseidon bewahren möchte, will die hoffnungslos in ihn verliebte
Nymphe Kalypso Odysseus ganz für sich allein … Fast wie im richtigen Leben. Der Rest ist ganz großes Kino!
Der Sommer in der Stadt ist heiß und stressig? Büros, Betonwüste und kein Fitzelchen Natur in Sicht? Dann gehen Sie doch einfach ins Kino und genießen diese höchst effektive Entschleunigungs-Therapie in Gestalt einer Natur-Doku: Insekten sind das Fundament unserer Welt und bewegen sich auf ihr schon seit 480 Millionen Jahren. Sie konnten als erste Lebewesen fliegen und sahen schon die Dinosaurier kommen – und wieder gehen. Im Vergleich zu ihnen ist der Mensch nur ein Fliegenschiss der Geschichte, aber ohne sie gäbe es ihn nicht. Sie sorgen für Humus und halten das Ökosystem im Gleichgewicht. Regisseur Nepomuk Pfaff verleiht dieser Mikrowelt mit ballettgleich durchkomponierten Super-Slo-Mo-Bildern cineastische Kraft. Sogar die Flügel von Schmetterlingen im Flug erscheinen majestätischer als Adlerschwingen und
sind in Farbkomposition und Muster komplex wie ein Gemälde. Haben Sie schon mal beobachtet, wie ein Bienenfresser im Flug eine Libelle erbeutet? Wussten Sie, dass bis jetzt nur eine Million Insektenarten beschrieben sind, es aber geschätzte fünf Millionen mehr gibt auf unserem Planeten? Oder dass auch die Eier von Glühwürmchen leuchten? Die Informationen zu den
meditativen Bildern dieses Kino-Highlights vermittelt die markante Stimme von Katharina Thalbach!
Eigentlich hat Niki White (Leo Woodall aus "The White Lotus“) eine massive Beeinträchtigung. Er ist nämlich allergisch gegen laute Geräusche. Er hat aber eben auch ein absolutes Gehör. Das macht ihn zum besten Azubi, den Klavierstimmer Harry Horovitz (Dustin Hoffman) jemals hatte. Gemeinsam mit seinem schrulligen, aber charmanten Mentor Harry zieht Niki von Auftrag zu Auftrag durch die ehrwürdigen Konzertsäle, High-End-Apartments und Luxusviertel New Yorks mit einer Vielzahl exzentrischer Kund:innen, die neben dem Klavier auch mal ein Wasserrohr repariert haben wollen, wenn “die Handwerker” schon mal da sind… Bei einem Kundentermin verliebt sich Niki in die Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu), bei einem anderen trifft er auf den Security-Spezialisten Uri (Lior Raz). Der erkennt schnell, dass sich Nikis Gehör auch zum Knacken von Tresoren eignet, und macht ihm ein verlockendes Angebot. Aber natürlich laufen die Dinge dann anders als geplant und Niki steht vor einem moralischen Dilemma in diesem elegant inszenierten Thriller von Daniel Roher, der vor allem vom entspannten Zusammenspiel von Alt- und Jungstars lebt.
Neu im Kino im Juni 2026
Steven Spielberg, der Vater von E.T., ist endlich zurück in seinem Lieblingsgenre: Als die Wettermoderatorin Margaret (Emily Blunt) vor laufender Kamera plötzlich beginnt, in merkwürdigen Klicklauten zu sprechen, glaubt Cybersecurity-Spezialist Daniel Kellner (Josh O’Connor), zu wissen, was dahintersteckt: Aliens. Diese Info möchten allerdings die Behörden ebenso wie Noah Scanlon (Colin Firth), Chef der mächtigen Wardex-Corporation, um jeden Preis geheim halten. Steven Spielberg + Aliens = Popcornmovie in Perfektion!
Tommy (großartig: Anson Boon) ein Arschloch zu nennen, wäre euphemistisch: Der Teenager ist ein prügelnder Soziopath. Er verliert sich regelmäßig in exzessiven Partynächten zwischen Koks und Alkohol und finanziert diesen Lifestyle durch die Werbeeinnahmen seiner Social-Media-Streams, die ihn und seine ähnlich tickenden Kumpel für Rennen in gestohlenen Autos feiern. Aber Tommys Onlineprofil ist Chris und Kathryn aufgefallen. Das reiche Ehepaar kidnappt Tommy und kettet ihn zur Umerziehung im Keller ihres Landhauses an. Bevorzugte Erziehungsmittel: Taser und Schlagstock, im Wechsel mit sanften Worten und Belohnungen für Wohlverhalten. Schließlich soll aus der Geisel mal ein vorbildlicher großer Bruder für Jonathan werden, den zehnjährigen Sohn der beiden. Dessen leicht panisches Dauergrinsen lässt auch bei ihm die Anwendung außergewöhnlicher Erziehungsmethoden vermuten. Stanley Kubricks "A Clockwork Orange“ lässt grüßen in diesem dystopischen Thriller, bei dem im Dunkeln bleibt, wer hier eigentlich der größte Soziopath ist.
Neu im Kino im Mai 2026
Er muss sie finden, denn Emily ist ganz bestimmt Owens (Spike Fearn aus "Aftersun“) Traumfrau. Dumm nur, dass dem kauzigen Musiker eine Ziffer ihrer Telefonnummer fehlt. Was also tun? Es
gibt an der Uni ja “nur” 318 Emilys, bloß welche ist die richtige? Als eine Psychologiestudentin, ebenfalls namens Emily (Angourie Rice), dem Verzweifelten ihre Hilfe bei der Suche anbietet, ahnt Owen nicht, dass er für sie nur Studienobjekt ihrer Semesterarbeit ist. Die hat nämlich “Macht Romantik verrückt?” zum Thema. Diese britische Campus-Rom-Com hat das Zeug zur nächsten Bridget Jones"!
"Du bist ein Tumor", sinniert Designerin Sam (Michaela Coel) über ihre Beziehung zu Musikerin Mary (Anne Hathaway), die erst durch Sams Entwürfe religiös angehauchter Bühnenoutfits zu "Mother Mary" wurde, dem Megastar des Pop. Vor zehn Jahren trennten sich die Wege der beiden Frauen. Doch dann steht Mary plötzlich vor der Tür von Sams Landsitz und sucht Vergebung oder wenigstens das Kleid aller Kleider für ihre nächste Performance. Nicht einmal sieben biblische Tage bleiben Sam für diesen schöpferischen Gewaltakt. Also transzendieren die früheren Gefährtinnen Himmel, Erde und Geister auf der Suche nach dem perfekten Outfit. Mehr über den Film erfahren Sie im VOGUE-Interview mit Michaela Coel:
Die begabte Violinistin Cecilia (Tecla Insolia) lebt in einem kirchlich geführten Waisenhaus von Venedig. In das hatte sie ihre Mutter direkt nach der Geburt abgegeben. Dieses gestattet seinen Insassinnen zwar musikalische Exzellenz, aber nur so lange, bis die Mädchen nach harten Mitgiftverhandlungen in eine arrangierte Ehe verschachert werden. Eine Karriere kommt für die 16-Jährige also nicht infrage. Erst der neue Geigenlehrer Antonio Vivaldi (Michele Riondino) weckt in Cecilia die Ahnung, dass das Leben mehr für sie bereithalten könnte als Kinder und einen Ehemann.
Neu im Kino im April 2026
“In der Hose war mehr Freiheit, also bin ich in die Hose gestiegen.“ So schlicht fasst Titelheldin Rose (die großartige Sandra Hüller erhielt für diese Rolle im Februar einen Silbernen Bären auf der Berlinale) ihr ungeheuerliches Vergehen zusammen. Gesellschaftlich ist es zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs weder vorstellbar noch erlaubt, dass eine Frau Besitz hat oder gar ein Erbe antritt. Aber als kriegsversehrtem, ehemaligem Soldaten, der Rose vorgibt zu sein, gesteht ihr der Dorfälteste (Godehard Giese) eine verlassene Parzelle Land zu. Rose verwandelt den seit Jahren leer stehenden Hof in ein ertragreiches Gut, dessen ”Herr" sich gut um seine Mägde und Knechte kümmert. Aber dann fordert der Großbauer, dass der neue Gutsherr seine Tochter Suzanna (Caro Braun) heiratet, denn das Wichtigste in der Dorfgemeinschaft sei die Reproduktion. Die Heirat ist der erste Schritt zum Glück und zum Unglück der beiden Frauen. Vollkommen unaufgeregt in ruhigen Schwarz-Weiß-Bildern und beinahe beiläufig präsentiert der Österreicher Markus Schleinzer sein historisches Drama, das ebenso individuell wie universell ist.
Es ist die wohl am meisten erwartete Filmforsetzung des Jahres. Und: sie lohnt! Unsere Gedanken dazu finden Sie hier.
"Die reichste Frau der Welt" feierte 2025 Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes und wurde in Frankreich bereits zum Publikumsliebling. Der Film erzählt die Geschichte von Marianne Farrère, gespielt von Isabelle Huppert, Erbin eines Kosmetikkonzerns und eben die "reichste Frau der Welt". Deren festgefahrenes Leben bekommt neuen Aufwind, als sie den temperamentvollen Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) kennenlernt. Der Film basiert lose auf der skandalreichen Geschichte um die 2017 verstorbene L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, die im hohen Alter Vermögenswerte in Milliardenhöhe an einen Fotografen verschenkte. Mehr erfahren Sie im VOGUE-Interview mit der Hauptdarstellerin!
In diesem Biopic, hinter dem die Macher des Musikfilm-Meisterwerks “Bohemian Rhapsody” stehen, spielt der 29-jährige Jaafar Jackson (Sohn von Jermaine) seinen eigenen Onkel, den “King of Pop”. Die Story zeichnet Michael Jacksons harten Weg vom gedrillten Kinderstar der Jackson Five an die Spitze der 80er-Jahre-Popwelt nach. Düstere Facetten, wie ungeklärte Missbrauchsvorwürfe, nahmen in früheren Versionen des Films einen größeren Teil ein, wurden nach rechtlichen Problemen aber weitestgehend geschnitten. Für Musikfans dürfte die opulente Story trotzdem sehenswert sein.
Eigentlich ist er Theatermacher, aber gleichzeitig auch Fernsehproduzent und Spindoktor: Vadim Baranow (Paul Dano) ist der Strippenzieher hinter dem aufstrebenden KGB-Agenten Wladimir Putin (Jude Law). Keiner beherrscht das Spiel auf der Klaviatur der Macht so perfekt wie Baranow – er erkennt schon Anfang der 1990er, zu Endzeiten der Sowjetunion, dass Putin das Zeug zum neuen Zaren hat. Kontinuierlich festigt er dessen politische Stellung und scheut dabei keine Opfer. Bitterböse Politsatire nach dem Bestseller von Giuliano da Empoli.
Neu im Kino im März 2026
Der “Astronaut” Ryland Grace (Ryan Gosling) ist eigentlich Molekularbiologe. Mit der “Hail Mary”-Mission soll er vom fernen Planeten Tau Ceti aus die Erde retten – so lautet der Plan seiner Chefin Eva Stratt (wie immer großartig: Sandra Hüller). Bei Misserfolg geht auf der Erde endgültig das Licht aus, sie würde vernichtet werden von energiefressenden Astrophagen. Praktischerweise trifft Ryland unterwegs auf das nette Alien Rocky, dessen Heimatplanet ebenfalls bedroht wird. Herrlich schräges Sci-Fi-Abenteuer nach dem gleichnamigen Bestseller von Andy Weir.
Kurz vor dem Ruhestand steckt der italienische Staatspräsident Mariano De Santis (Toni Servillo) in moralischen Dilemmata: Er soll zwei Gnadengesuche für verurteilte Mörder unterzeichnen sowie ein Gesetz über Euthanasie. Dass sein Lieblingspferd im Sterben liegt, erleichtert seine Entscheidungsfindung ebenso wenig wie seine posthume Eifersucht. Denn obwohl der Witwer und gläubige Katholik seine verstorbene Gattin abgöttisch liebte, fand er nie heraus, wer jener Liebhaber war, mit dem sie ihn betrog. Und das, obwohl er sich als beinharter Strafrechtler einst den Spitznamen “Stahlbeton” erwarb. Weder Gespräche mit seinem Freund, dem Papst (Rufin Doh Zeyenouin), noch die Schalte zu einem italienischen Astronauten im All eröffnen ihm Antworten auf die zentrale Lebensfrage, die Mariano am Ende seiner Laufbahn umtreibt: “Wem gehört unsere Zeit?” Diese poetische und sehr skurrile Komödie über die Liebe, den Zweifel, die Zärtlichkeit und die große Verantwortung für das Leben zeigt, warum Regisseur Paolo Sorrentino zu den größten europäischen Filmemachern gehört.
Tess (Laura Dern) und Alex (Will Arnett) trennen sich nach über zwanzig Jahren und versuchen, Lebenskrise und gemeinsame Kinderbetreuung mit Anstand hinzubekommen. Alex probiert es mit Stand-up-Comedy als Traumatherapie. Gääähn? Klingt zumindest nach fader Hollywood-Trennungsdramödie. Ist aber nicht weniger als der wunderherrlichste Beziehungsfilm seit Jahren! Ehrliche Dialoge, warmherziger Witz und eine grandiose Regie von Bradley Cooper, der auch am Drehbuch beteiligt war. Bitte unbedingt mindestens zu zweit anschauen! Start: 19.3.
İlker Çatak ist zweifelsohne einer der besten Regisseure des Landes. Sein letztes Werk “Das Lehrerzimmer” schaffte es bis zu den Oscars und mit seinem neuen Film “Gelbe Briefe” gewann er soeben völlig verdient den Goldenen Bären bei der Berlinale und ist damit der erste deutsche Regisseur seit mehr als 20 Jahren, dessen Film diese Auszeichnung erhält. Der Film erzählt die Geschichte eines gefeierten Theaterehepaars (großartig gespielt von Tansu Biçer Aziz und Özgü Namal, die in der Türkei eine bekannte Star-Schauspielerin ist) in Ankara, das wegen Regimekritik seine Jobs am Theater/der Universität verliert und daraufhin zusammen mit seiner 13-jährigen Tochter nach Istanbul zu deren Großmutter zieht. "Gelbe Briefe” zeigt eindrücklich, wie plötzlich und tief politische Oppression in unser Privatleben eingreifen kann, und stellt die Frage, ob man bereit ist, seine Ideale zu opfern, um ein sicheres Leben zu leben. Komplett auf Türkisch, aber in Deutschland gedreht, dient im Film Berlin als Ankara und Hamburg als Istanbul. Das Experiment funktioniert und macht die Universalität von demokratiebedrohenden Systemen nur noch deutlicher. (Text: Maria Hunstig)
Neue Kinofilme im Februar 2026
Ist dieser Marty Mauser (Timothée Chalamet) nun ein narzisstischer Widerling oder ein charmanter Filou, der das Leben nonchalant beim Schopfe packen will? Auf jeden Fall spielt Marty
begnadet Tischtennis. In den USA der Fifties ist das leider kein lukrativer Profisport. Der von sich selbst überzeugte New Yorker Schuhverkäufer klaut dann die Einnahmen aus dem Tresor seines Onkels – für ein Flugticket nach London, um zur internationalen Tischtennismeisterschaft zu reisen. Obwohl der Jungprofi im Endspiel verliert, wähnt Marty sich auf dem Weg nach ganz oben und verführt mit seiner juvenilen Überheblichkeit sogar die Hollywood-Diva Kay Stone (Gwyneth Paltrow). Das hindert ihn selbstverständlich nicht daran, parallel Kays Ehemann, den Tintenstift-
Magnaten Milton Rockwell (Kevin O’Leary), als Sponsor zu umwerben. Doch zurück in New York entwickeln sich die Dinge weder sportlich noch amourös nach Martys Plänen … Dafür läuft’s bei Wunderknabe Timothée Chalamet bestens: Für diesen oscarreifen Auftritt im Film von Josh Safdie
gewann er bereits einen Golden Globe.
Alles wie immer bei Jim Jarmusch: Im Grunde passiert nichts, und die Dialoge sind sparsam. Auch hier muss man eine Nacht schlafen über diese drei inhaltlich unverbundenen Geschichten, damit sie ihre poetische Wirkung entfalten: In der einen trinken Vicky Krieps und Cate Blanchett Kaffee mit ihrer Mutter Charlotte Rampling, in einer zweiten sorgt sich Adam Driver um seinen Vater Tom Waits, und Nummer drei beobachtet ein Zwillingspaar, wie es die Wohnung seiner toten Eltern durchforstet. Dafür gab es auf dem Filmfestival von Venedig den Goldenen Löwen.
Die neunjährige Lamia (Baneen Nayyef) wurde vom Klassenlehrer auserkoren, einen Geburtstagskuchen für Staatspräsident Saddam Hussein zu backen. Die Zutaten dafür zu ergattern, ist ein unmögliches Unterfangen im sanktionierten Irak der 90er-Jahre. Doch mit ihrem Klassenkameraden Saeed (Sajad Qasem) und ihrem Huhn macht sich Lamia auf – und lernt dabei viel über Freundschaft und das Leben. Kaum zu glauben, dass der wunderbare Film von Hasan Hadi sein Regiedebüt ist!
Neue Kinofilme im Januar 2026
Großes Kino von “Nomadland”-Reggiseurin Chloé Zhao, die sonst etwas weniger fest auf die Gefühlstube drückt als hier. Aber bei “Hamnet” ist immerhin Hollywood-Altmeister Steven Spielberg als Produzent involviert und dank ihrer wirklich großartigen Darstellenden nimmt man Zhao das Ganze wenig übel. Erzählt wird die auf wenig bekannten Fakten beruhende Geschichte über William Shakespeare, seine Frau Anne Hathaway (hier Agnes genannt) und ihre Kinder. Als ihr Sohn Hamnet elfjährig nach einer Krankheit verstirbt, stürzt das seine Eltern in eine alles überschattende Trauer und entfernt sie voneinander – bis der damals bereits am Theater in London arbeitende William Shakespeare sie in seiner bis heute wohl bekanntesten Tragödie verarbeitet. Jessie Buckley hat für ihre emotionsgeladene Darstellung der Agnes völlig verdient einen Golden Globe gewonnen und kann sich alle Hoffnungen auf einen Oscar machen – und wir hätten auch Paul Mescal als William nominiert.
Natursekt, “Kaviar”, Windel-Spiele … Sie stehen nicht so auf BDSM? Dann schauen Sie sich erst recht diese wunderbare, belgische Tragikomödie über weibliche Selbstermächtigung und Kreativität an. Plötzlich und unerwartet – als ihr Lebensgefährte David (Makita Samba) an einem Schlaganfall stirbt – findet sich die Sozialarbeiterin Kika (Manon Clavel) alleinerziehend, schwanger und wohnungslos wieder. Damit sie nicht zu einem Sozialfall wird, zieht Kika samt Tochter Louison (Suzanne Elbaz) erst mal bei ihren Eltern ein – und sucht nach Nebenjobs, um die Kaution für eine neue Wohnung zu bezahlen. Als eine jener Klientinnen, die Kika auf dem Sozialamt betreut, von ihrem Nebenerwerb mit dem Versand getragener Slips erzählt, probiert Kika das ebenfalls aus – mit Erfolg. Es wird der Auftakt für ihre Expansion in eine lukrative Welt aus Schmerz, Lust und Macht. Zum Glück lernt die Novizin Kika die erfahrene Domina Rasha (Anaël Snoek) kennen, die sie in weitere “Geschäftsfelder” einführt, von deren Existenz
Kika vorher nicht einmal wusste.
Millie (Sydney Sweeney) saß zehn Jahre im Gefängnis, wenn Nina (Amanda Seyfried) eben das wüsste, würde sie ihr wohl keinen Job als Hausmädchen geben. Aber vielleicht würde Millie den auch nicht annehmen, wenn sie wüsste, wie es um Ninas Ehe mit Vorzeigegatte Andrew (Brandon Sklenar) bestellt ist. Oder alles ist doch ganz anders? Leinwandversion des gleichnamigen Bestsellerromans von Freida McFadden: ein grandioser Psychothriller mit überraschenden Wendungen und komplexen, weiblichen Figuren.
Phillip Vandarpleogs (Brendan Fraser) Schauspielkarriere lief schon mal besser. Seit sieben Jahren lebt der Amerikaner in Tokio und hatte nur einen Hit – als fliegende Werbe-Zahnpastatube.
Doch sein aktueller Auftritt als Fake-Trauergast auf einer Beerdigung verschafft ihm einen Job bei Shinji (Takehiro Hira), dessen Agentur “Rental Family” Schauspieler:innen für das echte Leben sucht und noch einen Quoten-Weißen braucht. Fortan spielt Phillip eine Rolle im Leben anderer, mal als Bräutigam, mal als Freund oder Biograf, je nachdem, was gebraucht wird. Für die kleine Mia (Shannon Mahina Gorman) soll er als plötzlich aufgetauchter Vater den Platz an einer prestigeträchtigen Schule sichern. Denn ihre alleinerziehende Mutter hat Angst, dass nur eine “vollständige Familie” im Bewerbungsgespräch Erfolg hat. Phillips Auftritt dort erweist sich als schwerer als gedacht … Warmherzig, witzig und dennoch tiefgründig geht die vom japanischen Allroundtalent Hikari inszenierte Tragikomödie den sozialen Fallen einer globalisierten Welt auf
den Grund, in der zwar alle vernetzt, aber viele allein sind.
Krasse Karriere: Mit nur 34 ist Ella McCay (Emma Mackey) Gouverneurin ihres Bundesstaats! Aber nebenbei plagt sie sich auch noch mit ihrer dysfunktionalen Familie herum: ihrem beziehungsunfähigen Vater Eddie (Woody Harrelson), ihrem schüchternen Bruder Casey (Spike Fearn), Ehemann Ryan (Jack Lowden) und der robusten Tante Helen (Jamie Lee Curtis), Fels in der hohen Brandung Ellas Lebens. Gefühlige Komödie für einen Freund:innen-Abend im Kino.
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